Wimmel mit! Von Analog zu Digital–Das kleine 1×1 des Scannens

Wimmel mit! Das Online Wimmelbild Projekt: Von Analog zu Digital

Das kleine 1x1 des Scannens

Am Anfang jeder Illustration entsteht eine oder vielleicht mehrere Skizzen. Manchmal illustriere ich komplett analog, aber dann steht die Frage, wie ich daraus eine druckfertige Datei baue.

Aus meiner Erfahrung als Gestaltungslehrerin weiß ich, dass viele Schüler sich vors Scannen scheuen. Ihre Scans haben oft einen Farbstich oder sie wissen nicht, wie sie das ganze Bild scannen können, weil “Das Bild zu groß für den Scanner war“.

Das muss nicht sein, wenn du die richtige Einstellungen kennst und ein bisschen Zeit nimmst, bestimmte Funktionen des Scanners kennen zu lernen, kannst du das kleine Scannen 1x1 lernen.

Darum geht es heute. Hier zeige ich euch, wie man ein analoges Bild, das nicht auf der Scannerfläche passt, in eine bearbeitbare Datei umwandelt. Für meine erfahrene Kunden und Kollegen, die mitlesen, heute ist wirklich für Anfänger, doch ich freue mich, wenn ihr weiter lest.

Scannen 1x1: Zuerst den Scanner reinigen, dann loslegen und immer vor jedem Scan wieder putzen.

Wer einen Putzfimmel hat, hat deutliche Vorteile

Alle, die eher zum Team Chaos gehören, müssen sich jetzt zusammen reißen. Ihr müsst putzen und zwar die Glasoberfläche des Scanners. (Keine Sorge, alle andere müssen das auch)

Warum?

Auch wenn der Deckel des Scanners doch stets zu ist, können trotzdem winzige Staubkörner sich aufs Glas ausbreiten. Außerdem, man hinterlässt unbeabsichtigt Fingerabdrücke auch wenn die Hände sauber sind.

Die Reinigung muss bei jedem Scanvorgang wiederholt werden. Ohne Ausnahme. Sie erspart spätere Arbeit in Photoshop, weil man keine Staubpartikel und Fettfingerabdrücke mitscannt. Ich spreche aus Erfahrung, diese zusätzliche Aufwand muss nicht sein und diese kleine Partikel können extra unbezahlte Arbeitsstunden verursachen.

Nimm bitte keinen Fensterscheibenreiniger, das kann Schleier hinterlassen. Am besten geht es mit einem fusselfreien Putztuch und etwas Isopropyl-Alkohol, den man aufs Tuch tröpfelt. Brillenglasreinigungstücher gehen zur Not auch, doch auf langer Sicht sind sie teuerer und schlechter für die Umwelt.

Auch wenn das Bild nicht auf der Scannerfläche passt, kannst du es dennoch scannen.

Aber die Fläche ist zu klein… 

Natürlich bietet einen Scanner, der für Dokumente in der Große von 21 x 29,7 cm gebaut wurde, nicht genug Oberfläche, um ein größeres Bild in einem Vorgang zu scannen. Doch es ist möglich mehrere Bildabschnitte zu scannen und diese in Photoshop zusammen zu fügen.

Ihr müsst ein wenig im Voraus planen. Ich berechne einen angedachten Rahmen um die Glasfläche des Scanners. Alles, was ich in diesem Bereich scanne, wird eigentlich zweimal gescannt, um Photoshop eine Erkennungsmöglichkeit der Bildfläche zu geben. Es ist ein Überlappungsbereich.

In diesem Foto seht ihr, dass meine Skizze auf Transparentpapier gezeichnet habe, es ist leichter für mich, die Glasfläche und den Überlappungsbereich zu erkennen. Dadurch kann ich sehen, wie gerade mein Bild auf dem Scanner liegt.

Doch selbst, wenn ihr eine fertige Illustration einscannt, könnt ihr kleine Hilfen erstellen. Manchmal klebe ich vorübergehend etwas Malerkrepp auf den Scanner in der Höhe von den Rändern, die sich wiederholen müssen. Dann nehme ich einen Bleistift und markiere auf der Rückseite meines Bildes, wo das Glas und wo der Überlappungsbereich ist. Diese Markierungen kann ich später wegradieren.

Ich lege 5cm große Unterlegscheiben aus dem Baumarkt auf der Rückseite des Bildes als Gewicht, damit es nicht verrutscht und flach liegen bleibt. Nur beim Transparentpapier nicht, weil die Unterlegscheiben sonst mitgescannt werden.

 

Die Originalzeichnung hat Übergröße und passt nicht in einem Stück auf meinen DIN A4 Scanner

Klappe zu, Affe tot?

Nein. Einfach den Deckel schließen, denn jetzt geht es ans Scannen.

Insgesamt für dieses Bild habe ich sechs (6) Scans gemacht. Jeder Vorgang dauert ungefähr 5 Minuten, manchmal länger, wenn das Papier wirklich groß und störrisch ist. Selten weniger.

Scannen fuer Anfänger-Profis: Diese Einstellungen sind für Illustrationen, die in Print-Media ausgegeben werden.

Auch Scannen will gelernt sein

Als Grundlage für diese Post verwende ich meine Skizze zu "Wimmel mit! Das Online Wimmelbild Projekt", die 35 x 49 cm (bxh) groß ist, also zu groß für mein DIN A4 Scanner, um es mit einem Scan zu digitalisieren.

Was viele Anfänger – und nicht-Anfänger nicht wissen ist, dass die meisten Scanner nicht nur einen automatischen Modus haben, sondern auch einen professionellen Modus. Das habe ich mit meinem ersten 95 DM Scanner von Epson gehabt und ebenfalls mit meinem neueren Epson Perfection V600 Photo. Da ich letztendlich eine bearbeitbare Datei erstellen möchte, wähle ich den professionellen Modus.

Es gibt viele Möglichkeiten in diesem Modus die Einstellung für deinen Scan zu bestimmen. Für diesen Scan, was ja eine Skizze ist, die ich im Photoshop illustrieren werde, wähle ich die die Bit-Farbe ‚24 Bit-Farbe‘ und eine Auflösung von 300 dpi.

Kurz vorab: Wenn ich vorhätte, z.B. eine analog Illustration, wie etwa ein Aquarell, für ein größeres Format als das Original zu digitalisieren, würde ich unter Umständen diese mit 600 dpi einscannen. Doch dies ist nicht der Fall, denn meine Illustration habe ich bereits größer skizziert als die Endgröße meines Druckprodukts. Und eine größere Bitzahl ist für einen Druckprodukt nicht notwendig.

Ich wähle die Option ‚unscharfe Maske‘ um die Skizze schärfer darzustellen. Ja. Der Begriff klingt verwirrend und widersprüchlich, doch durch die Kontrasterhebung lässt dieser Vorgang das Bild klarer darstellen.

Eine Rasterung einer Originalillustration bzw. -zeichnung ist nicht nötig. Wir scannen ja kein fertiges Druckprodukt ein. Diese Einstellung minimiert den Raster- und Moiréeffekt von bereits gedruckten Bildern, die gescannt werden.

Zuletzt wähle ich das Dateiformat. Die Skizze bearbeite ich weiter in Photoshop, doch als psd-Datei kann der Scanner das Bild nicht speichern. Ich wähle TIFF, weil dieses Format ein besseres Ergebnis liefert als JPEG.

Im professionellen Modus kannst du mit dem Vorschau kontrollieren, ob der Überlappungsbereich (Rand) breit genug ist für die spätere Zusammenfügung in Photoshop. Bildschirmaufnahme

Der Scan vor dem Scan

Bevor ich loslege mit clicken und scannen und speichern, erstelle ich einen Pre-Scan, der mir zeigt, was ich in diesem Abschnitt von meiner Skizze sehen werde.  In diesem Beispiel habe ich nicht nur zwei Kanten, die sich später über die anderen Scans überlappen werden, sondern auch stelle ich sicher, dass die Ränder des Bildes breit genug sind. Warum seht ihr gleich.

Wenn ich mit dem Ergebnis des Pre-Scans zufrieden bin, scanne ich.

 

Wimmel mit! Das Bild musste in sechs Teilen gescannt werden. Ich öffne die Dateien zur weiteren Bearbeitung in Photoshop.

Der nächste Stop ist Photoshop

Aus einem übergroßen Bild habe ich sechs Scans gemacht, die Überlappungsbereiche und breite Ränder haben. Um eine Arbeitsdatei zu erstellen, ziehe ich sie direkt ins Photoshop hinein. Warnung: Dein Rechner muss genug Arbeitsspeicher hierfür haben, sonst geht er in die Knie. Es gibt eine zweite Methode, die ich euch gleich erklären werde.

Für Anfänger sind solche Warnungen manchmal beunruhigend, doch diese gibt lediglich Auskunft über den Farbraum der Datei aus.

Diese Warnung ist harmlos

Diese Warnung kann einen Anfänger beunruhigen. Lass dich nicht beirren. Sie gibt Information über den aktuellen Farbraum des Dokuments und über den Farbraum, der für die Adobe-Produkte eingestellt ist.

Nicken und auf ok klicken.

Den Farbraum kann man später ändern. In der Tat ist das besser so. In einer späteren Blogpost zeige ich euch wie.

Die Adobe sRGB kann mehr Farben darstellen als der Epson sRGB oder den normalen sRGB-Farbraum. Nicht alle Ausgabegeräte können den Adobe sRGB Farbraum darstellen.

Bei jedem gescannten Bild wird die gleiche Farbraumwarnung beim Import in Photoshop ausgegeben.

Und weiter durchwinken

Wie in dem vorigen Bild, einfach auf ‚ok‘ klicken. Um den Farbraum kümmern wir uns später. Wiederhole diesen Schritt bei allen Scanteile.

Was wir gerade getrennt behandelt haben wollen wir zusammen fügen. Photoshop macht es uns durch Datei>Automasierung>Photomerge einfach.

Photomerge

In den Anfangszeiten musste ich meine Scans in Photoshop manuell zusammenfügen. Das war eine sehr aufwendige Arbeit. Heute geht das viel einfacher und bequemer mit der Automatisierungsfunktion in Photoshop.

Wähle Datei>Automatisieren>Photomerge. Ein neues Fenster öffnet sich.

Beim aktiven Photomerge-Fenster werden alle Scandateien hinzugefügt

Zusammenfügen was zusammengehört

Da alle meiner Scans bereits in Photoshop geöffnet sind, muss ich nur noch auf ‚Geöffnete Dateien hinzufügen‘ klicken. Achte darauf ein Häckchen bei ‚Bilder zusammen überblenden‘ zu setzen. Belasse das Radiobutton im Layout bei Auto.

Wenn deine Dateien nicht in Photoshop geöffnet sind, brauchst du nur auf ‚Durchsuchen‘ klicken um diese in die Liste hinzufügen. Das ist empfehlenswert wenn dein Rechner etwas älter ist oder nicht so viel Arbeitsspeicher hat, wie du dir wünschen würdest. Allerdings, die Scans müssen alle in einer Richtung liegen um das Bild erfolgreich zusammen zu fügen. Wenn nicht, solltet ihr sie vorab richten.

Das erste Photomerge-Ergebnis mag auf dem ersten Blick unsauber aussehen, jedoch es sind nur die Außenränder der Skizze, die stören. Das können wir nachher ausbessern.

Photoshop zaubert ein Bild wieder zusammen

Während Photoshop das Bild wieder zusammenflickt, kannst du mir einen Kaffee kochen. Eigentlich geht das recht schnell, also kein Kaffee.

Merkt ihr, dass die Ränder ein wenig schief und unsauber ausschauen? Das ist mitunter ein Grund, warum man einen breiten Rand beim Scannen berücksichtigen soll. Es ist nämlich leichter etwas hinterher zu entfernen, doch was nicht da ist kann man schlecht oder nur mit Mühe hinzufügen.

Die Skizze wird in den nächsten Schritten gerichtet.

Bevor das Bild weiter bearbeitet wird, sollte es als Photoshopdatei gespeichert werden.

Speichern. Immer wieder speichern

Bevor das Bild gerichtet und weiter bearbeitet wird, sollte es als Photoshopdatei gespeichert werden. Denke dran: Speichere oft mit command+S. Falls das Programm abstürzen sollte, dann geht die Arbeit nicht gänzlich verloren.

Tags sind nicht nur in Social Media hilfreich, sondern helfen dir später deine alte Dateien zu finden.

Taggen

Jeder kennt die Hashtags aus Social Media. Du kannst etwas ähnliches mit deinen eigenen Dateien auf dem Mac machen. Das geht ganz einfach mit dem Reiter ‚Tags‘. Der Vorteil ist, falls du zu einem späteren Zeitpunkt eine bestimmte Illustration oder Skizze suchst, kannst du in dem Finder einen Stichwort eingeben und deine Suche damit verkürzen.

Da dieses Bild ein Wimmelbild für Wimmel mit! ist, verwende ich ähnliche Tags wie Wimmelbuch, Wimmelbild, Wimmel mit!, Skizze, Sketch usw.

Nachdem Photoshop das Bild zusammengefügt hat, kann es sein, dass du es drehen muss, damit es für die Ausgabe ausgerichtet ist.

Rotieren oder Hilfe! Mein Bild steht kopf!

Mein Bild liegt auf der Seite. Um es für eine Druckdatei zu verwenden, muss ich es drehen. Dazu verwende ich diesen Pfad: Bild>Bilddreheung>90° Gegen den Uhrzeigersinn.

Ihr könnt natürlich einen anderen Drehungswinkel eingeben. Falls ihr etwas falsches eingegeben habt, gibt es immer noch den Befehl command+Z um die Drehung rückgängig zu machen. Das geht auch in dem ‚Protokoll‘-Fenster. Einfach den Befehl in die Tonne ziehen.

Die Automatiserung in Photoshop erzeugt Ebenen mit Masken. Nach Überprüfung der Ebenen können diese auf eine Ebene reduziert werden.

è voila!

Hurrah! Ihr habt es geschafft und das Bild steht wie eine Eins. Nun schaut das Fenster "Ebenen" an. Hier seht ihr, dass Photoshop Teile der einzelne Scans  maskiert hat. Um die Dateigröße etwas zu verringern und eine klare Struktur zu behalen, empfehle ich, diese Ebene zusammenzufügen.

Es gibt ein paar Möglichkeiten hierzu entweder

  • Ebenen>Auf Hintergrundebene reduzieren
  • Ebenen>Sichtbare auf eine Ebenen reduzieren

Der Vorteil vom ‚Auf Hintergrundebene reduzieren‘ ist, dass die Ebene automatisch gesperrt ist und kann daher nicht direkt bearbeitet werden. ‚Sichtbar auf eine Ebene reduzieren‘ erlaubt eine sofortige Bearbeitung.

Normalerweise wähle ich die zweite Möglichkeit und erstelle eine mit Weiß gefüllte Ebene als Hintergrundebene. Darüber erstelle ich eine leere Ebene ohne Füllung und sperre mit dem Schlösschen meine Ebene Skizze.

Und jetzt kann das Bild in Photoshop bearbeitet werden. In den nächsten Posts werdet ihr erleben wie ich ein Wimmelbild aufbaue.

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